Dienstag, 5. Juli 2011

Bluff - die Südspitze Neuseelands

Die in Reiseführern viel gelobte Küstenstraße durch die „Catlins“ fanden wir bis auf ein paar wenige Ausblicke nicht so spektakulär, aber vielleicht liegt es auch daran, dass wir durch die letzten Tage schon ziemlich verwöhnt sind. Auch Bluff selber, die südlichste Stadt Neuseelands und generell eine der Südlichsten der Welt, war vom ersten Eindruck sehr industriell geprägt mit großem Industriehafen, wo unteranderem auch Fähren zur Stuart Island und in die Antarktis ablegen. Nachdem wir diesen Teil jedoch durchquert hatten, fanden wir ein niedliches Städtchen vor, das in etwa an Dörfer in Grönland oder Alaska mit kleinen bunten Häusern erinnert. Nach ein paar Fotos am tatsächlich südlichsten Punkt mit einem Schild, welches Distanzen in alle Welt angibt, haben wir uns dann auf den Weg Richtung Fjordland gemacht.

Dunedin und Otago Peninsula

Nach diesem recht kräftezehrenden gestrigen Tag, stand heute erst einmal länger ausschlafen auf dem Programm. Wir entschieden uns für einen Halbtagesausflug auf die Otago Pensinsula, welche für ihre Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen bekannt ist. An einem schönen Aussichtspunkt mit Blick über den Otago-Harbour frühstückten wir unser Müsli. Danach machten wir einen drei stündigen Hike zur Sandfly Bay die wir über grüne auenlandähnliche Wiesen und Hügel erreichten. Dort erwarteten uns Sanddünen und ein paar Seelöwen, die sich ihren faulen Tag in der Sonne liegend und der Brandung lauschend vertrieben. Pinguine konnten wir leider nicht beobachten, da diese immer erst am Nachmittag an den Strand kommen. Die raue See mit großen Wellen und strahlender Sonnenschein weckte in uns wieder die Sehnsucht nach einem Wellenritt. Leider lässt die Jahreszeit keine Surfabenteuer mehr zu, aber es sollen definitiv noch welche folgen. Über steile Dünenpassagen gelangten wir zu einer Anhöhe, von wo wir nicht nur den Pazifik beidseitig der Halbinsel sehen konnten, sondern auch andere Buchten und die gesamte Hügellandschaft der Region. Gegen Tagesende machten wir noch einen Abstecher zur anscheinend steilsten Straße der Welt (mehr als 40%!!!), deren „Besteigung“ und schon einiges abverlangte. Einheimische dagegen kümmern sich wohl nicht über die Steilheit der Wand und breschen die Straße hoch und runter, dass es einem die Nackenhaare aufstellt. Jetzt geht es noch ein bischen gen Süden, bevor wir dann morgen vorwiegend entlang einer Küstenstraße durch die „Catlins“ fahren, wo wir uns weitere Erlebnisse im Wildlife Neuseelands erhoffen.

Mt. Cook - Neuseelands höchster Berg

Da wir schon am Vorabend bei der Ankunft gesehen haben, dass wir einen sehr schönen Übernachtungsplatz direkt am Lake Pukaki und mit Blick auf Mt. Cook und die neuseeländischen Alpen gewählt hatten, haben wir uns die Wecker früh genug gestellt um den Sonnenaufgang anzuschauen. Beim ersten Blick aus dem Fenster unseres Wohnmobils am Morgen war klar, dass das die richtige Entscheidung war. Zugegeben hatten wir natürlich auch sehr viel Glück, dass keine einzige Wolke den Blick auf die Berge verdeckte, aber so war es ein perfekter Sonnenaufgang wie auf den Bildern zu sehen ist. Die Fahrt weiter ins Tal war nicht weniger schön, da die goldenen Wiesen, der türkisgrüne See (die Gletscher haben Felsen und Steine über Jahrhunderte aneinander geschoben und dabei haben sich so viele Mineralien gelöst, dass alle Flüsse und Seen in dieser Gegend dieses milchig Türkise Wasser haben) und die Schneebedeckten Berggipfel der 3000er im Hintergrund. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Mount Cook Village, haben wir uns von dort auf eine vierstündige Wanderung gemacht um die Gegend und die Gletscher von nahem zu erkunden. Der Weg an dem sehr steilen Hang der direkt auf 1400m hochschoss und wie eine Wand wirkte war etwas mühsam, aber die Aussichten von oben über das Tal sowie die umliegenden Gletscher und Gletscherseen belohnten uns dafür. Danach stand erst noch eine dreistündige Fahrt nach Dunedin an, wo wir zum ersten Mal auf einen RV Campingplatz fuhren um unsere Akkus von Kameras und Laptops zu laden. Da es als eine Studentenstadt bekannt ist und wir sowieso jetzt einige Tage mehr oder weniger nur in der Wildnis waren, sind wir Abends in die Stadt gegangen um dort zu essen und das Nightlife der Stadt auszuprobieren.

Gletscherseen - Lake Tekapo und Pukaki

Endlich war es soweit. Natalie und Christoph sind in Christchurch eingetroffen, nachdem ihr Flug aufgrund einer Aschewolke mehrmals verschoben wurde. Unser Campervan „Edgar“ hat die beiden ebenfalls sofort von seinen räumlichen wie praktischen Qualitäten mit Küche, Toilette/Dusche, 4 Betten und Tische überzeugt. Zu viert starten wir also unseren Südinseltrip mit Tagesziel: Lake Pukaki im Hinterland Canterburrys. Auf der Fahr dorthin konnten wir schon die sich immer größer auftürmenden Berge des südlichen Alpen sehen. Inmitten dieser malerischen Landschaft liegen zwei Bergseen, die aufgrund von Mineralpartikel aus Gletschererosionen türkisfarben sind. Am Lake Tekapo verbrachten wir einige Zeit und versuchten mit Panoramafotos die beeindruckende Naturkulisse festzuhalten. Unseren Abend verbrachten wir am Lake Pukaki, wo wir unseren RV auf einem Lookout-Platz parkten und nächtigten. Mit Schachspielen, einer Mensch-ärger-dich-nicht-Partie, feinen Snacks und chilliger Musik vertrieben wir unsere Zeit, da wir hier nach wie vor im tiefsten Winter sind und somit schon ab 5 dunkel ist.

Reiten in Ashburton


Nach einer weiteren Erkundungstour auf der Banks Peninsula, haben wir uns auf den Weg gemacht mal wieder Profit aus einer Bekanntschaft zu machen. Während meiner vielen Segelerlebnisse in Auckland habe ich Malcom, dem Eigner einer der Yachten auf denen ich war, über Snowboarden auf der Südinsel geredet und da er öfters dort Heliboarden geht und seine Ausrüstung bei seiner Tochter liegen hat, die dort lebt. Da er die gleiche Schuhgröße wie ich hat, hat er mir dann auch gleich ihre Nummer gegeben und gesagt, dass ich mir die komplette Ausrüstung ausleihen kann. Wie die Neuseeländer so sind, hat Rachelle uns gleich eingeladen bei ihr zum Essen oder über Nacht zu bleiben. Da wir sowieso immer noch auf Natalie und Christoph warten mussten, sind wir nach Ashburton (nur 1h von Christchurch) gefahren und haben Rachelle bei der Arbeit getroffen. Sie lebt den Traum vieler Mädchen, da es ihr Job ist Pferde einzureiten (speziell Sprungpferde), die dann später auf Turnieren oder Olympia antreten. Wir haben darin natürlich gleich wieder die Chance gesehen umsonst zu einem besonderen Erlebnis zu kommen und so durften wir beide auf einem dieser Pferde reiten. Am Anfang waren wir etwas überrascht, dass sie das Pferd mit uns auf dem Rücken im Galopp über die Koppel jagte, aber es hat uns viel Spaß gemacht. Am Abend wurden wir dann noch zum Dinner eingeladen und haben Reisegeschichten ausgetauscht. Die Einladung zur Übernachtung haben wir ausgeschlagen, da unser Wohnmobil so gemütlich ist, dass wir gerne dort schlafen und Rachelle außerdem am nächsten Morgen schon wieder um 6.30 Uhr zu den Pferden geht.

Ankunft in Christchurch und Banks Peninsula

Nach unseren gut verlaufenen Schlussexamen ist der Part „Study“ ist nun schon vorbei, der Part „Travel“ steht jetzt an. Nach einem Abschiedsdinner in meiner Flat sind wir am folgenden Freitagmorgen gen Auckland Airport aufgebrochen. Dort erwartete uns schon der erste Dämpfer. Entgegen der Vereinbarung hat unser Reiseleiter das Ticket nicht auf das gewünschte Datum umgebucht, sodass wir erst nach zahlreichen Telefonate erleichtert waren, nun doch einen Flug am selben Tag nach Christchurch zu bekommen. Dort angekommen, ließen wir uns vom Campervan-Verleiher abholen. Allerdings konnten wir dort nicht wie erwartet unseren RV abholen, sondern mussten wir uns noch einen weiteren Tag gedulden, da wir nicht Cash bezahlen konnten. Kurzerhand entschieden wir uns trotz klirrender Winterkälte inmitten zweier Sportplätze zu campen. Am Samstag war es endlich soweit: Wir erhielten unsere neues Zuhause…ein gut 8m langer VW-Apollo-Campervan mit ausreichen Betten und kleiner Küche, einfach perfekt um fast 4 Wochen im Winter Neuseelands zu viert herumzureisen. Denn zwei weitere sollten noch folgen. Aufgrund der aktuellen Aschewolke stecken Chris und Natalie noch in Auckland fest, werden aber sehr bald zu uns stoßen. Da wir nur mit ihnen unseren Trip starten werden, beschlossen ich und Hanno einen Abstecher zur Banks Peninsula zu machen. Diese kreisförmige äußerst hügelige Halbinsel bot eine gigantische Fahrt auf der Summit Road mit Blicken auf unzählige Buchten des angrenzenden Pazifiks. Abends machten wir es uns bei ein paar Bier, einem kleinen Schachmatch und einer kurzen Lesestunde gemütlich.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Wochenendtrip zum Tongario National Park

Lange ist es her seit dem letzten Blogeintrag. Der Grund dafuer ist aber nicht, dass es nichts mehr zu berichten gibt sondern eher, dass wir wieder so viel erlebt haben, dass wir gar nicht dazu gekommen den Blog aktuell zu halten. Die letzten Wochen kam dann noch die Pruefungsvorbereitung dazu, was es auch nicht verbessert hat. Ich will jetzt aber nicht den letzten Monat komplett nacherzaehlen, sondern nur von einem speziellen Highlight berichten, dem Wochenende im Tongario National Park. Eigentlich stand dieser schon auf der Agenda fuer unseren Midtermbreak, ein Besuch dort musste dann aber wegen dem Autoproblem in Wellington (siehe aelterer Post) verschoben werden. Da er als eins der ganz grossen Besonderheiten der Nordinsel zaehlt wollten wir uns einen Besuch auf keinen Fall entgehen lassen und sind daher mit drei Freunden (Robbie und Natalie aus Kanada und Alex aus den USA) fuer ein Wochenende dort hin gefahren.
Nachdem Freitag nur hingefahren sind, nachts noch eine heisse Quelle besucht und dann dort uebernachtet haben, ging die Erkundung am Samstag los. Fuer den ersten Tag haben wir uns Mountainbikes gemietet und sind damit den Fishers-Trail, einen 30km langen Weg durch einen subtropischen Regenwald mit tollen Aussichtspunkten, gefahren.
Am Sonntag, dann das eigentliche Highlight: Der Tongario Alpine Crossing. Als einer der schoensten Wanderungen der Welt eingestufte Weg ist 20 km lang und beinhaltet ueber 1000 hoehenmeter. Besonders bekannt ist er auf Grund des Mt Ngauruhoe (2287m) einem perfekt kegelfoermigen Vulkan, der die Landschaft praegt und meistens nur als Mt Doom bekannt ist, da er in der Verfilmung von Herr der Ringe als Schicksalsberg dient. Der eigentliche Weg fuehrt nur daran vorbei aber wenn man eine sich eine Stunde mehr Zeit nimmt kann man ihn auch besteigen. Es war der mit Abstand anstrengenste Teil der Wanderung, da es keinen Weg gibt sondern man einfach auf dem losen Geroell, welches ab der Haelfte in Schnee und Eis uebergeht, nach oben klettern/krabbeln muss und immer wieder 1-2 meter zurueck rutscht. Leider verhinderten Wolken eine Aussicht von dort oben, aber der Blick in den riesigen vereisten Krater war die Muehen dann trotzdem wert und ausserdem wurde man auf dem Weg nach unten mit einer sehr spassigen Rutschpartie belohnt, da es so steil ist, dass man sogar auf dem Geroell einfach stehend runterrutschen kann.
Der Weg war insgesamt sehr beeindruckend und bot noch einige weitere Besonderheiten. Zu erwaehnen sind auf jeden Fall die Emerald Lakes, mehere kleine Seen die auf Grund von einer bestimmten Schwefelmischung eine sehr intensive tuerquise Farbe haben und in der schroffen Vulkanlandschaft sehr herausstechen.
Insgesamt war es ein richtig schoenes Wochenende und im nachhinein ist es sogar besser, dass wir das nicht im Rahmen unseres Midtermbreak gemacht haben, da wir so mehr Zeit hatten und auch noch die Mountainbiketour machen konnten.